Chronik

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Chronik Schützenverein Ahlden/Aller

Schützenfeste werden sicherlich überall dort gefeiert, wo das Schützenwesen ausgeübt und gepflegt wird.
Dieses ist in Ahlden mit Bestimmtheit seit dem Jahr 1819 der Fall.
Die Gründungsplakette der im Jahre 1911 gestifteten Königskette belegt das mit der Inschrift

„Entstehung des Ahldener Schützenfestes 1819“

Mittelstück unserer Königskette
Ahldener Schützengesellschaft 1819 – Ahldener Schützenverein e.V. von 1908

Vom aktiven Schützenwesen zeugen ausserdem die Fahnen des Vereins aus den Jahren 1839,1870 und 1902.


Die offizielle Gründungsversammlung des Schützenvereins Ahlden fand schliesslich am 13. Mai 1908 in der „Iserschen Gaststätte“ (später St.-Johannis-Krug, Hohls) statt.
Von den Männern der ersten Stunde sind heute namentlich noch festzustellen:
Fr. Westermann jun., Heinrich Frerking-Bünger, Heinrich Helberg-Broosksen und Willi Pröser,
als Kommandeur wird Gustav Hinze genannt, erster Vorsitzender war bis 1922 Heinrich Bäßmann.
Die Vorstandsbesetzung war unproblematischer als heute;
es konnten nämlich immer nur zwei Mitglieder durch Losentscheid ausscheiden, sie durften aber auch wiedergewählt werden.


Das erste „Vereins-Schützenfest“ wurde noch in der Gründungswoche am 18., 19. und 21. Mai gefeiert.
Der erste Umzug des „Schützenverein Ahlden e.V. von 1908“.
Damaliger König war Hermann Bartels.
Die jährlichen Schützenfeste wurden von jeher durch die ortsansässigen Wirte ausgerichtet.

Ende der 1990er Jahre übernahm der Verein dann das Fest in Eigenregie, was zu einem Aufblühen des Festes führte.
Im Jubiläumsjahr 2008 (100 Jahre Schützenverein Ahlden e.V. von 1908) ist aber mit C.-H. Bunke aus Düshorn
ein langjähriger Partner des Vereins wieder mit der Bewirtung des Festes beauftragt worden.

Eine alte und lang gepflegte Tradition des Ahldener Schützenfestes war der Tanz im Freien.
Neben dem Zelt unter den Eichen wurde bis in die 1990er Jahre ein Tanzboden verlegt.


Die Bedeutung und den Ernst des Schützenfestes von jeher an mag verdeutlichen, dass z.B. im Jahr 1913, als man das Fest im des 25-jährigen Thronjubiläums des Kaisers feierte, ein Beschluss gefasst wurde aus dem ein Teil bis heute Bestand hat:
alle Mitglieder (damals gab es nur männliche) hatten in weisser Hose und mit blauer Mütze zu erscheinen, die bis zu 40-jährigen mussten zudem ein Holzgewehr mitführen.
Die Nichteinhaltung dieser Kleider- ordnung wurde mit Strafgeldern belegt. Weisse Hosen sind bis heute Erkennungszeichen der Ahldener Schützen.
Die Männer der Traditionsgarde – auch „Blaujacken“ genannt, sind seit dem Jubiläumsschützenfest 1983 (75 Jahre Schützenverein Ahlen e.V. von 1908) wieder ein Bestandteil des Schützenfestumzuges.


In den Jahren 1915 bis 1918 wurden wegen des 1. Weltkrieges keine Schützenfeste gefeiert.


1919 konnte nach Befragung der Bürger durch den Gemeindediener immerhin auf dem Dannenbergschen Saal das erste Nachkriegs-Schützenfest stattfinden.
Mit einem Jahr Verspätung feierte man dann 1920 das 100-jährige bestehen des Schützenfestes und dieses dann auch wieder traditionell unter den Eichen.
Weiterhin ist es bemerkenswert, dass es im Jahre 1923 eine erstaunliche Königsprämie gab, nämlich sage und schreibe 150.000 Mark. Wenn man jedoch den Eintrittspreis von 2.500 Mark dagegenhält, hatten sich die Dimensionen der Inflation auch auf das Ahldener Schützenfest übertragen.


Aus dem Jahr 1924 stammt die Regelung, dass niemand zwei Jahre nacheinander Schützenkönig werden konnte. Heute ist sogar eine dreijährige Wartzeit vorgeschrieben.


Auf der Scheibe erkennt man klar den Hinweis auf ein hundertjähriges Schützenwesen in Ahlden. 1820 – 1920


Ab 1940 fielen die Schützenfeste wegen des Zweiten Weltkrieges dann erneuert aus, bis genau am Wochenende der Währungsreform 1948 das erste Fest wieder stattfinden konnte.
Der König wurde mit der Armbrust statt mit Kleinkalibergewehr ausgeschossen und es gab ein besonderes Ergebnis:
Der alte König aus dem Jahr 1939 wurde auch der neue König 1948: Willi Behrmann.


So wie sich in vielen Bereichen in jenen Jahren sich ein Aufschwung durchsetzte, verzeichnete auch der Schützenverein Ahlden in dieser Zeit Erfolge und Aktivitäten.
Die Mitglieder des Vorstandes und weitere aktive Schützenbrüder, zu denen viele Neuaufnahmen nicht zuletzt auch den Reihen derer, die durch die Folgen des Krieges nach Ahlden verschlagen wurden, liessen das Schützenleben wieder aufblühen. In jenen Jahren wurde auch der Schiessstand in rasch aufeinander folgenden Abschnitten immer weiter ausgebaut.
Die fünfziger Jahre überhaupt bemerkenswert. Erinnert sei daran, dass im Jahre 1954 genau an dem Tag Schützenfest gefeiert wurde, als die deutsche Mannschaft in Bern die Fussball-Weltmeisterschaft gewann.


1956 bildete sich wohl erstmals eine aktive Schiessgruppe, aus der heraus dann langsam eine Beteiligung an Schiesswettbewerben über die internen Vereinsschiessen hinaus entwickelte.
Vielleicht war auch dies eine Grundlage dafür, dass es Schützenbruder Willi Rathge im Jahr 1959 und damit ein Jahr nach dem 50-jährigen Jubiläum des Vereins gelang, als erster Kreisschützenkönig in die Annalen von Verein und Kreisschützenverband einzugehen.
Der erste Kreisschützenkönig kommt aus Ahlden/Aller
Willi Rathge 1959


War das Schützenfrühstück bis dahin alleinige Angelegenheit der Ahldener Männerwelt gewesen, so wurden im Jahr 1972 erstmals die Damen als Teilnehmerinnen zugelassen. Inzwischen sind die Damen aus dem Vereinsleben überhaupt nicht mehr wegzudenken. Nur „nur“ bei den Schützenfesten und im Vorstand, sondern auch als aktive Schützenschwestern bereichern sie seit der Gründung der Damenschiessgruppe 1972 das Vereinsleben.
Die Ahldener Damenschiessgruppe nach der Gründung 1972


Unter dem Vorsitz von Fritz Küker sen. wurde nicht nur dieses das Leben im Verein veränderte beschlossen,
auch der Ausbau des Schiessstandes und die Vorgabe des Schützenfestes für fast 15 Jahre
an einen Festwirt waren seinerzeit Granaten für das Ausrichten des Vereins an die Anforderungen der Zeit.


1974, als dieses noch alles andere als üblich war, wurde ein Amerikaner Schützenkönig in Ahlden:
Hermann X. Jones, ehemaliger US-Soldat und „eingewanderter“ Ahldener wurde der erste ausländische Schützenkönig.

Vorsitzender Fritz Küker mit Hermann Jones und Gattin 1974


Ein Dauerposten bei den Aktivitäten der Schiessgruppe ist das Vergleichsschiessen im Schützenring „Hermann Löns“.
Dort wird seit der Gründung im Jahre 1963 alljährlich in mehreren Durchgängen ein Wettbewerb mit den umliegenden Vereinen durchgeführt.
Auch für die Schützenjugend gibt es diese Wettbewerbe seit inzwischen mehr als Jahren.
Die Jugendarbeit insgesamt spielt im Verein bereits seit den 1970er Jahren eine grosse Rolle.
Wenn es auch viele nach der Schule und Ausbildung nach ausserhalb verschlagen hat, gelingt es den Jugendleitern immer wieder, eine aktive Jugendgruppe zu bilden.
Hier seien die Jugendleiter Friedhelm Nißler, Helmut Eilmann, Helmut Römer, Wilhelm Schaardt und Helmut Schipporeit genannt,
die es über 40 Jahre immer wieder geschafft haben, die jungen Ahldener für das Schiessen und den Verein zu begeistern.


Im Jahr 1983 feierte man das 75-jährige Bestehen des Schützenvereins.
Der langjährige Vorsitzende Gustav Bonse und seine Vorstandskollegen hatten zu einem Fest eingeladen,
bei dem 800 Gäste aus vielen befreundeten Schützenvereinen und den Ahldener Vereinen und Verbänden des gesamte Ort im Ausnahmezustand waren.
Ehrenpforten im Ort, die bereits erwähnten, wieder zum Leben erweckten „Blaujacken“, Oldtimer und Teilnehmer in Kostümen aus der Gründungszeit des Vereins erinnerten im Festumzug an eine bewegte und lange Zeit.

1983
75 Jahre Schützenverein Ahlden/Aller von 1908 e.V.


Als der Schützenfest dann Mitte der 90er Jahre eine kleine Krise erlebte und die Zahl der Teilnehmer und Gäste kleiner wurde, entschloss sich der Vorstand um den damaligen Vorsitzender Gerhard Kaiser zu einer einschneidenden Änderung: Die Tanzfläche im Freien wurde aufgegeben und dafür im größeren Zelt gefeiert. Im Jahr 2008 feierte man das 100-jährige Bestehen des Schützenvereins. Der Vorsitzende Burkhard Herting und seine Vorstandskollegen hatten zu einem Fest eingeladen, bei dem viele Gäste aus vielen befreundeten Schützenvereinen und den Ahldener Vereinen und Verbänden waren. Erstmalig im diesem Jahr wurde fand das „Dorfscheibenschiessen“ statt, welche eine große Resonanz hatte.


Der Schützenverein Ahlden lebt natürlich in erster Linie von seinen aktiven und fördernden Mitgliedern,
vor allem von jenen, die über den Schiesssport hinaus durch kräftiges Zupacken, z.B. sich über viele Jahrzehnte hinziehenden Ausbau des Schiessstandes, mitgewirkt haben.
Mitte der 1970er Jahre wurde der Kleinkaliberstand über die gesamte Länge mit Wänden und Dach versehen, Ende des gleichen Jahrzehnts wurde in einem Anbau der neue Luftgewehrstand errichtet und somit die Aktivitäten des Vereins an einem Standort zusammengeführt.
Die bisher letzte Baumassnahme war bereits in diesem Jahrtausend.
Ein weiterer Anbau mit Küchen- und Sanitärtrakt. Damit ist das Schützenhaus eine zeitgemässe Anlage,
um das Vereinsleben sowohl beim Schiesssport als auch bei Versammlungen und geselligem Beisammensein optimale Bedingungen bieten.


Zu danken hat der Verein dafür nicht nur den rührigen Vorstandsmitgliedern und tatkräftigen Helfern aus den eigenen Reihen, sondern in hohem Masse auch Spendern und Gönnern.
Viele örtliche Betriebe und Handwerker haben den Verein immer wieder gefördert und unterstützt.
Ein Beispiel hierfür war die „Gilde-Scheibe“, die über mehr als 35 Jahre lang zunächst von einem Gönner und dann von der Brauerei neben der traditionellen Königsscheibe ausgeschossen wurde.


Es bleibt zu hoffen und zu wünschen, dass sich auch künftig immer wieder Schützenschwestern und Schützenbrüder sowie Menschen ausserhalb des Vereins finden werden, die es gut mit dem Verein meinen, damit der Schützenverein Ahlden seiner alten Tradition entsprechend weiter aktives Schützenleben praktizieren und damit ein wichtiger Teil des Lebens im Flecken Ahlden sein kann.

Anstehende Termine:

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